Doing Family & New Work:
Familienkonzepte und ihre Wirkung auf Arbeitsmodelle

Doing Family – die Familie ist wie eine ewige Baustelle, an der ständig gearbeitet werden muss.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf früher und heute
Kaum zu glauben, doch einst war es normal, dass beide Elternteile arbeiteten und sich gemeinsam um Haushalt und Kinder kümmerten. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel hat aber zum Traditionsbruch geführt und sich im Verlaufe der Zeit auf Rollen- und Arbeitsmodelle ausgewirkt. Mit Folgen für Eltern in Bezug auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Heute möchten Schweizer Eltern wieder gleichberechtigt arbeiten, allerdings nicht mehr so hart wie früher und stattdessen mehr Zeit für die Kinder und sich selbst haben. Es bleibt aber oft beim Wunsch, denn: Familie und Beruf zu vereinbaren ist schwierig und die Angst vor finanziellen Einbussen bei Teilzeitarbeit gross. Wie ist es so weit gekommen? Wie kann ein Online-Rechner Eltern unterstützen, das passende Teilzeitmodell für die Familie zu finden? Und welche Erfahrungen haben wir mit Vereinbarkeit gemacht?

Eltern und ihr Wunsch nach Work-Life-Balance
Gemäss der Swiss Life Studie wünschen sich heute 92% aller Eltern in der Schweiz ein Teilzeitpensum. Sie möchten sowohl dem Beruf als auch der Familie gerecht werden und deshalb das beste Gleichgewicht zwischen Job und Kinderbetreuung finden. Dank eines Teilzeitpensum erhoffen sich beide Elternteile mehr Zeit für die Kinder und den Haushalt. Zudem möchten Eltern heute auch mehr Zeit für Hobbies und Freizeit haben. Ihnen ist eine gesunde Work-Life-Balance besonders wichtig.

Teilzeitarbeit und das liebe Geld
Diesen Wunsch realisieren gemäss Studie aber nur rund zwei Drittel der Eltern. Dies, weil sie (zu) hohe finanzielle Einbussen befürchten. Erstaunlicherweise zeigt die Studie aber, dass mehr als die Hälfte aller Eltern die verschiedenen Teilzeit-Szenarien nicht im Detail durchrechnet und somit nicht beurteilen kann, wie sich ein Teilzeitmodell auf das eigene Haushaltsbudget auswirkt. Deshalb bleibt es oft bei vagen Vermutungen und diffusen Ängsten, dass das Familieneinkommen am Ende des Monats nicht ausreicht, wenn ein Elternteil oder beide Teilzeit arbeiten. Und so gehen entweder beide weiterhin Vollzeit arbeiten, oder aber es ist die Frau, mit dem oftmals tieferen Einkommen, die am „einfachsten“ reduzieren kann und am „wenigsten“ finanzielle Einbussen einfährt…

Wie viel Teilzeitarbeit liegt für die Familie drin?
Mit Hilfe des neuen Teilzeitrechner von Swiss Life können Eltern das für die eigene Familie beste Teilzeit-Modell einfacher und vor allem fundierter finden. Der Rechner berechnet aufgrund der individuellen Familien-, Einkommens- und Fixkostensituation, wie viel Geld Ende Monat – je nach Teilzeitpensum – unter dem Strich übrig bleibt. Auf diese Weise können Eltern etwas besser erkennen, in welche Richtung ein passender Teilzeit-Mix gehen könnte.

 

 

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Ein cleverer Teilzeit-Mix als Schlüssel zum Erfolg
Die verschiedenen Ergebnisse des Teilzeitrechners zeigen auf, dass die grösste Hebelwirkung die Anzahl Kinder darstellt bzw. die Kosten für deren Fremdbetreuung, wenn die Eltern arbeiten. Ein Teilzeitpensum bedeutet demnach nicht unbedingt einfach nur weniger Einkommen, sondern auch weniger Fremdbetreuungskosten und allenfalls auch eine günstigere Position in der Steuerprogressionsskala. Dank einem stimmigen Verhältnis zwischen Voll- und Teilzeitarbeit bzw. zwischen Fremd- und Eigenbetreuung der Kinder kann ein Teilzeit-Mix für beide Elternteile sinnvoll und für die ganze Familie tragbar sein.

Teilzeitarbeit und Vorsorge
Entscheiden sich Eltern für einen Teilzeit-Mix, sollten sie auf jeden Fall beachten, dass durch das reduzierte Arbeitspensum weniger in die AHV und Pensionskasse eingezahlt wird. Dies bringt weniger Leistungen im Alter oder bei Invalidität mit sich. Leider zeigt die Studie, dass sich wenige Eltern Gedanken dazu machen, wie sich ihr Arbeitspensum auf die Altersvorsorge auswirkt. Am besten lassen sich Familien zu den finanziellen Risiken der Teilzeitarbeit fachkundig beraten. Auch wir haben das gemacht und dadurch Vorsorgelücken lokalisiert und entsprechend schliessen können. Mehr zum Thema könnt ihr hier nachlesen: Vorsorge – das ändert sich mit Kindern

Wie konnte es so weit kommen?
Gewusst? Der Begriff „Familie“ ist relativ jung. Im 1700 wurde mit „Familia“ nicht die Familie im heutigen Sinn, sondern die Hausgemeinschaft bezeichnet. Dazu gehörten alle Menschen, die im gleichen Haus lebten – also das Ehepaar, Kinder, Knechte und Mägde und die Tagelöhner. Das Ehepaar war eine Arbeitsgemeinschaft: Die Aufgaben der Frau und Mutter beschränkten sich nicht nur auf Küche und Kinder, sondern umfassten auch die Mitarbeit auf dem Feld, die Tierhaltung oder die Textilherstellung. Der Mann und Vater half beim Kochen genau so mit wie beim Wasser und Holz tragen und war auch für die Kinder zuständig.

Das Ideal der kleinbürgerlichen Familie
Mit der Industrialisierung entstand das Ideal der bürgerlichen Kleinfamilie: Ein Ernährer-Vater, eine Hausfrau-Mutter und zwei, drei leibliche Kinder. Diese Vorstellung beeinflusst heute noch unser Bild von Familie. Das Ehepaar bildete keine Arbeitsgemeinschaft mehr: Der Vater arbeitete ausser Haus, die Mutter blieb zu Hause und war für den Haushalt und für die Kinder zuständig. Diese „Hausfrauisierung“ hatte zur Folge, dass die Beteiligung von Frauen am wirtschaftlichen Leben nicht mehr als Tradition wahrgenommen wurde. Stattdessen besuchten Mädchen Haushaltsschulen, um zu lernen, wie sie am besten für Ehemann und Kinder sorgen konnten. Nur in tieferen sozialen Schichten arbeiteten die Frauen weiterhin aus wirtschaftlichen Gründen als Nebenverdienerin mit.

Der Ausstieg der Frau aus dem Wirtschaftsleben
In den 50er und 60er-Jahren galt es dann als normal, dass Männer die Ernährer-Position einnahmen. Eine Erwerbstätigkeit der Frau kam nur als Übergangslösung bis zur Heirat in Frage. Danach sollte sie ihren Platz in der Fabrik oder im Büro räumen und in den Haushalt zurückkehren. Die Familie galt als der natürliche Wirkungskreis der Frau und Mutterglück als das grösste Glück. Berufstätige Mütter wurden als „Rabenmutter“ beschimpft, ihre Kinder als arme „Schlüsselkinder“ betrachtet.

Das neue Rollenverständnis von Mann und Frau
Die Entwicklung in den 68er-Jahren veränderte das Rollenverständnis von Frauen und Männern grundlegend und damit auch das Bild von Familie. Alternative Lebensformen wie nicht eheliche Lebenspartnerschaften, Kinder ohne Partner oder Kinderlosigkeit wurden nun salonfähig. Seit den 80er-Jahren wird nicht mehr nur die bürgerliche Familie als die einzig richtige Familienform wahrgenommen. Zwar bleiben die Ideale von Liebe und Ehe wichtig, aber werden frei kombinierbar.

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Doing Family – die Familie im ständigen Wandel
Heute dreht sich die Familie nicht mehr nur um traditionelle Geschlechterrollen. Elternschaft heisst nicht mehr unbedingt auch Paarbeziehung, ob Kinder ehelich oder unehelich sind, spielt keine Rolle mehr. Familien existieren heute auch über verschiedene Haushalte hinweg und ähneln einem Netzwerk, das sich laufend verändert. Zur Familie können phasenweise Nachbarn, Freunde oder Co-Eltern zählen. Wer alles zur Familie gehört, wählen die Mitglieder selbst. Die Familie wird aktiv und individuell gestaltet und ist ein Konstrukt, das ständig im Wandel ist. Auf englisch wird die laufende Neugestaltung der Familie als „Doing Family“ bezeichnet.

Neue Familien- und Arbeitskonzepte
Das sich laufend verändernde Verständnis von Familie hat die Arbeitskonzepte von Mann und Frau stark beeinflusst. Zudem hat auch der allgemeine gesellschaftliche Wandel in Bezug auf Arbeit und Freizeit einen grossen Einfluss auf Arbeitsmodelle ausgeübt: Seit den 50er Jahren arbeiten wir deutlich weniger Stunden pro Woche und machen mehr Ferien – die Work-Life-Balance gewinnt laufend an Bedeutung. Auch ist Teilzeit-Arbeit für Männer kein Tabu mehr und die Corona-Zeit hat dem Homeoffice-Konzept zum Durchbruch verholfen. Viele Eltern möchten diese neuen Arbeitskonzepte künftig weiter leben und mit Teilzeitmodellen kombinieren.

Teilzeit-Traum dank bewussterem Familienleben realisieren
Auch wir haben über die letzten Jahre laufend „Doing Family“ betrieben. Mit kleinen Kindern in der Kita sah unser Arbeits-Mix total anders aus als später mit grösseren Kindern in der Primarschule. Mit dem Wechsel unserer Jungs in die Oberstufe hat sich der Mix nochmals verändert – nicht nur, weil sie dann sozusagen ganztags ausser Haus sind, sondern auch weil ältere Kinder auch höhere Kosten bedeuten. In all den Jahren haben wir verschiedene Arbeitsmodelle ausprobiert und ausgelotet und immer wieder neue für uns und für die jeweilige Phase stimmigen Arbeits-Mixe gefunden. Die mit einer Teilzeitarbeit verbundenen Einkommenseinbussen haben wir als Familie stets zu Gunsten von mehr Ruhe und mehr Familienzeit in Kauf genommen bzw. mit einem sparsameren Lebensstil wettgemacht. Ganz nach dem Motto: Weniger kann manchmal mehr sein. Viele nützliche Tipps für die Umsetzung von Teilzeit-Arbeit, die wir alle unterschreiben, findet ihr hier: Tipps für die Teilzeitarbeit

Familie und Arbeit – quo vadis?
In Sachen Familien- und Arbeitsmodelle bleibt es in nächster Zeit spannend. In welche Richtung der Wandel gehen wird, hängt – wie uns die Geschichte bereits gelehrt hat – vom Zusammenspiel zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ab. Wie sieht es bei euch aus? Für welches Familien- und Arbeitsmodell habt ihr euch entschieden? Aus welchen Gründen? Habt ihr eure finanzielle Situation ganz konkrekt einmal durchgerechnet?

 

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Swiss Life entstanden.

Weitere Beiträge aus dieser Serie

Schreibhase: Wieviel Teilzeit können wir uns leisten? Eine Rechnung mit vielen Fragen

Quellen

  • Von der bürgerlichen Kleinfamilie zur Doing Familiy – eine Zeitreise, K. Stäcker und D. Wolf
  • Erwerbstätigkeit von Müttern in der Schweiz: Entwicklung und individuelle Faktoren, DeFacto
  • Social Change in Switzerland, socialchangeswitzerland.ch
  • Schweizerische Arbeitskräfteerhebung, BFS Aktuell, 03 Arbeit und Erwerb, 2016
Ein Beitrag von:

Rita Angelone – Die Angelones

Mein Leben als Mutter von zwei Söhnen im Alter von 11 und 13 Jahren ist ein tägliches Abenteuer und stellt eine endlose Quelle an Geschichten und Erfahrungen dar. In unseren wöchentlichen Kolumnen im Tagblatt der Stadt Zürich berichte ich über unser Leben als Italo-Schweizer Familie in Zürich.

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